Mailing April 2020

Es geht weiter! Von Krisen und Herausforderungen
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Sehr geehrte Unterstützer*innen des PSZ, liebe Freund*innen,

unvorstellbar viel ist passiert, seit wir uns Ende letzten Jahres mit einem Spendenaufruf an Sie und Euch gewandt haben. Die Welt ist eine andere. Und dennoch geht unsere Arbeit weiter und wir möchten Sie wissen lassen, wie das PSZ auch in Zeiten der (Corona-)Krise an der Seite traumatisierter Geflüchteter bleibt.

Vielleicht erinnern Sie sich: zur weiteren Finanzierung unserer Arbeit fehlten 199.000 Euro, die wir bis Ende April 2020 akquirieren mussten. Wir waren überwältigt von den vielen Solidaritätsbekundungen und 60.000 Euro privater Spenden, die uns inzwischen erreicht haben – ein herzliches, großes Dankeschön Euch und Ihnen dafür!
Zudem konnten wir weitere Projektmittel und Zuschüsse einwerben, die unsere Finanzierungslücke um weitere 63.000 Euro schmälern. Wir sind sehr dankbar, dass auch unsere Verhandlungen über Liquiditätsüberbrückungen erfolgreich waren –  auch wenn das nur eine Übergangslösung ist, bis die bewilligten Gelder eintreffen. Dadurch ist die Fortsetzung unserer Arbeit über April hinaus gewährleistet –  erst die große Unterstützung so vieler hat das ermöglicht!
Dennoch fehlen uns weiterhin noch 76.000 Euro zur Finanzierung der laufenden Projekte für 2020 – wir sind daher weiterhin auf Unterstützung und Spenden angewiesen.
Inzwischen sehen wir auch die Chance in unserer PSZ-Finanzkrise: Ihre finanzielle Unterstützung, all die herzlichen Rückmeldungen und strukturellen Beratungen, wie wichtig die Arbeit des PSZ Düsseldorf für die gute Versorgung von traumatisierten Geflüchteten ist, haben uns bestärkt und ermutigt, vielfältige Aktivitäten zum Fundraising zu starten, die teilweise bereits Früchte tragen. Wir sind optimistisch, dass wir unsere Arbeit durch die begonnenen Maßnahmen mittel- und langfristig auf eine deutlich solidere Grundlage – einschließlich der notwendigen Vorfinanzierung – stellen können.

Die „PSZ-Finanzkrise“ verblasst vor dem Hintergrund weit größerer, inzwischen weltumspannender Krisen. Die rassistischen Morde in Hanau erschütterten unsere Klient*innen und uns. Internationale politische Interessen werden weiterhin an der Grenze zwischen Griechenland zur Türkei ausgetragen, mit aller Gewalt auf dem Rücken von Geflüchteten; auch gegen Helfende, die wie wir für Geflüchtete arbeiten. Es gibt schier katastrophale europäische Entwicklungen, die für die Betroffenen unendliches Leid auslösen. Auch wenn dies angesichts der Corona-Krise weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist, erscheint uns der kontinuierliche Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte, für schutzbedürftige, vulnerable Gruppen gerade jetzt umso wichtiger – in den Herkunftsländern, in den Transitländern, an den europäischen Grenzen, in Deutschland und in NRW. Wir wollen als PSZ Düsseldorf weiterhin unseren Beitrag dazu leisten, traumatisierte Geflüchtete in ihrem Recht auf ein Leben in Sicherheit und Würde tatkräftig zu unterstützen – mit Ihrer Hilfe und unseren Kompetenzen.

Wie sieht der PSZ-Alltag nun in der Corona-Krise aus? Für psychische erkrankte Geflüchtete sind Kontakt- und Besuchsverbote, der Ausfall tagesstrukturierender Aktivitäten wie Sprachkurse, die Abwesenheit von Sozialarbeiter*innen in den Heimen etc. besonders belastend. Gerade in großen Unterbringungseinrichtungen, in denen viele Menschen auf engem Raum leben, ist es schwer, die sinnvollen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten – umso größer sind die Ängste der Menschen. Und umso wichtiger, dass das PSZ auch in der Krise für Klient*innen und Helfer*innen erreichbar ist. Die Telefonberatung für Neuanfragen wird nicht mehr wöchentlich, sondern täglich angeboten, außerdem gibt es eine tägliche Telefonsprechstunde auf Arabisch. Klient*innentermine finden nur in einzelnen Notfällen und unter besonderen Schutzvorkehrungen (Abstand, „Spuckschutz-Scheibe“) in den Räumen des PSZ statt. Stattdessen werden Gespräche telefonisch geführt, wir testen verschiedene Formate, um datenschutzsicher auch mit Dolmetscher*innen und Videotelefonie Therapie anbieten zu können. Einige PSZ-Kolleg*innen arbeiten im Home-Office, andere halten eine „Notbesetzung“ vor Ort aufrecht. Veranstaltungen, zu denen wir Sie und Euch am Ende dieses Schreibens gerne eingeladen hätten, müssen abgesagt werden, ebenso die aktuellen Fortbildungsangebote. Stattdessen üben wir uns in Videokonferenzen. Und freuen uns auf ein echtes Wiedersehen nach dem Covid-19 Krisenmodus, auf die nach zu holenden Veranstaltungen, und bis dahin auf Ihre Rückmeldungen per mail, facebook, Telefon!

Besten Gruß aus dem PSZ, frohe Osterfeiertage und bleiben Sie gesund!
Das wünscht Ihnen das Team & der Vorstand des PSZ