Mailing Februar 2021

Sehr geehrte Unterstützer*innen des PSZ, liebe Freund*innen,

gerne möchten wir Euch und Ihnen wieder berichten, was uns im PSZ in den letzten Wochen beschäftigt hat:

Vorstellung einer neuen Mitarbeiterin – Asita Shirali Dikloo
Name: Asita Shirali Dikloo
Team: Psychoteam
Stundenumfang: aktuell 20 Stunden, ab April 30 Stunden

Motivation für Arbeit im PSZ: Das PSZ begleitet mich nun schon seit meinem Psychologiestudium, innerhalb dessen ich seinerzeit ein Praktikum im PSZ absolviert habe. Seither bin ich quasi am PSZ „hängen geblieben“. Das liegt zum einen an den überaus fachlich kompetenten Kolleg*innen verschiedener Professionen, die sich Tag für Tag mit vollem Engagement und Herz für eine psychosoziale Versorgung und somit eine Einhaltung von Menschenrechten für Überlebende von Folter, Krieg und Gewalt einsetzen. Zum anderen liegt dies an meinem eigenen Wunsch, als Tochter eines Folterüberlebenden zu einer gerechteren transkulturellen Gesundheitsversorgung von Personen, die es in unserem Gesundheitssystem aufgrund von Sprache, Rassismus oder unsicheren Bleibeperspektiven sehr schwer haben, beizutragen.

Erster Eindruck: bzw. der 2.,3. oder auch 5. Eindruck, könnte man sagen: Und es ist immer ein sehr guter! Die Arbeit des PSZ Düsseldorf ist absolut notwendig und ich freue mich sehr, nun ein fester Teil dieses wunderbaren Teams zu sein.

Geflüchtete Kinder, Jugendliche und Eltern – „Ein-Blick“ in unsere Arbeit im Jahr der Pandemie
Die Folgen der Pandemie für das Leben von Kindern und Jugendlichen generell gerät angesichts der langen Schließungszeiten von Schulen, Kindergärten sowie sozialen und pädagogischen Angeboten immer drängender in den Blick. Insbesondere sozial prekäre Lebensumstände, innerfamiliäre Gewalt, beengte Wohnbedingungen, fehlender Zugang zu den digitalen Räumen des Lernens und der fehlende Kontakt zu Gleichaltrigen führen mit zunehmender Zeit zu wachsenden Belastungen. Diese Belastungen potenzieren sich für junge Geflüchtete, insbesondere, wenn sie in Gemeinschaftsunterkünften leben. Die Dichte des Zusammenwohnens, vielerorts mit mehreren Personen in einem Zimmer, Gemeinschaftstoiletten und -küchen, in den Landesunterkünften zudem keine Möglichkeit der Selbstversorgung und Essensausgabe in Kantinen sind einige der Eckpunkte ihrer Lebenssituation.

Zurückgeworfen in die Angstträume – Ein 9-jähriges Mädchen
K. ist 9 Jahre alt und hat in ihrem Leben viel Gewalt erlebt, auch innerhalb ihrer Familie. Seit einem Jahr lebt sie mit ihrer Mutter alleine, vom Vater getrennt. Der Asylantrag wurde abgelehnt, sie sind ausreisepflichtig und wohnen in einer Gemeinschaftsunterkunft. Vor der Pandemie hatte sich B. psychisch stabilisiert, vor allem litt sie nur noch selten unter belastenden Träumen. Doch mit dem Lockdown verschlechterte sich ihr Befinden massiv. Ihre Unterkunft wurde unter Quarantäne gestellt. Sie und ihre Mutter wurden positiv getestet. Fehlende Alltagsstruktur, Verunsicherungen der Bezugspersonen und die Isolation in der Quarantäne wirkten so belastend, dass ihre Angstträume wieder unerträglich wurden. So erzählte sie z.B. von Träumen, wie der Vater ihre Mutter mit dem Messer ersteche oder dass sie entführt werde. Seit einigen Monaten sind daher wieder regelmäßige face-to-face Termine im PSZ notwendig.

Für neu angekommene Kinder und Jugendliche ist mindestens in den ersten 6 Monaten der Unterbringung in Landesunterkünften ein Schulbesuch grundsätzlich nicht vorgesehen und nicht möglich. Die Pandemie hat uns nicht zuletzt als Gesamtgesellschaft dafür sensibilisiert, wie zentral Schule für Kinder und Jugendliche ist – das sollte uns helfen, empathischer für den Alltag geflüchteter Kinder und Eltern zu werden.
Für geflüchtete Kinder und Jugendliche ist nicht selten der Schulbesuch besonders wichtig als der Lebensbereich mit einer heilsamen Normalität und stärkenden Sozialkontakten. Auch wenn ein Online-Unterrichtsangebot besteht, fehlen oft technische Voraussetzungen (W-LAN, Endgeräte), räumliche Voraussetzungen – und den Eltern fehlen die Sprachkompetenzen, die Kinder zu unterstützen.

Die Geschwister bei den Hausaufgaben unterstützen – ein 16-jähriges Mädchen
M., die regelmäßig zur Therapie kommt, ist mit 16 Jahren die älteste von sechs Geschwistern. Sie musste miterleben, wie ihre Mutter vergewaltigt wurde. Sie quält der Blick eines der Täter, wie er ihr ins Gesicht sah. Sie leidet unter immer wiederkehrenden, auch unvermittelten Erinnerungen. Ihre Eltern erzählen, dass aufgrund von Mordandrohungen ihre Heimat verlassen mussten. Beide Eltern sind aufgrund ihrer eigenen psychischen Erkrankung nur begrenzt in der Lage, sich ihren Kindern zu widmen. M. beklagt seit Beginn der Pandemie, viel mehr auf ihre Geschwister aufpassen zu müssen. Zu der ohnehin schon hohen Belastung kommt die Betreuung der Geschwister bei den Hausaufgaben hinzu. Ohne OGS und Hausaufgabenbetreuung nach der Schule sind diese überfordert, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Neben der therapeutischen Arbeit mit M. wurde die Familie u.a. dabei unterstützt, einen Antrag auf Notunterricht für die schulpflichtigen Kinder zu stellen.

Die Kapazitäten des PSZ reichten auch im letzten Jahr bei weitem nicht aus, um allen dringenden Anfragen zur Aufnahme gerecht zu werden. Das Abwägen, wie schwer die Belastung und wie komplex die Problemsituation sein muss, um zumindest ein Clearing und vielleicht auch eine längerfristige Unterstützung im PSZ anbieten zu können, fällt oft sehr schwer. Psychisch belastete Kinder und Jugendliche sind besonders vulnerabel. Ein möglichst frühzeitiges Erkennen und Eingehen auf ihre Bedürfnisse mit pädagogischen, psychosozialen und therapeutischen Hilfen entscheidet über ihren Lebensweg. Dass frühe seelische Wunden oft langfristig wirken und wie sehr sie bei Kindern und Jugendlichen, die Krieg und Gewalt erlebt haben, unterschätzt werden, zeigen u.a. die Lebensgeschichten der Kriegskinder des 2. Weltkrieges, denen u.a. Autorinnen wie Sabine Bode und Luise Reddemann in den letzten Jahren eine hörbarere Stimme gegeben haben.

Anfragen für Kinder und Jugendliche haben im PSZ Vorrang. Gleichzeitig sind wir angesichts unseren zu knappen Kapazitäten bestrebt, wo möglich, auf andere Unterstützungsangebote in Beratungsstellen, bei Therapeut*innen und in der Jugendhilfe zu verweisen. In 2020 waren von unseren 747 Indexklient*innen 165 minderjährig, sowie weitere 155 junge Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren.

114 unserer jungen, inzwischen meist schon volljährigen Klient*innen mussten ihre Flucht als Minderjährige alleine ohne Familie meistern. Die damit verbundenen Belastungen wirken nach. Sie sind oft hochmotiviert und haben große Pläne hinsichtlich Ausbildung und Beruf. Doch sie brauchen rechtliche Sicherheit und trauma- und kultursensible Hilfen, um ihre Lebensziele erreichen zu können. Auch begleitete Kinder, also Kinder, die mit ihren Familien geflohen sind, äußern oft den Wunsch, eine gute Ausbildung und eine sichere Lebensgrundlage zu erreichen, nicht selten, weil sie eine sehr hohe Verantwortung für ihre Familie empfinden. Die Folgen der Pandemie führen für viele dazu, dass ihre Pläne unerreichbar werden. Wer als Jugendlicher einreist, für den macht ein Jahr ohne Schulbesuch den entscheidenden Unterschied, ob es ihm/ihr gelingen kann, schnell genug Deutsch zu lernen, um einen Schulabschluss zu schaffen. In den Anfragen der letzten Monate an uns sehen wir, dass hier die Probleme wachsen und zu schweren psychischen Einbrüchen führen.

Neben der direkten Arbeit mit ihnen als Klient*innen sind die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen auch in der therapeutischen, psychosozialen Arbeit mit Eltern ein wichtiges Thema. 2020 waren 61 unserer Klient*innen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Schwer traumatisierte, psychisch stark belastete Eltern brauchen eine empathische, trauma- und kultursensible Unterstützung, die sie auch in ihrer Elternrolle begleitet und stärkt. Ängste, Panikattacken, Rückzug, Impulsdurchbrüche und dissoziative Zuständen sind für sie oft mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit in ihrer Elternrolle verbunden. Es ist uns wichtig, sie in ihrer Elternrolle zu stärken und gleichzeitig für die Bedürfnisse ihrer Kinder zu sensibilisieren, die nicht selten auf den ersten Blick sehr taff scheinen.

Neuer Flyer im Bereich HiER – Hilfen zur interkulturellen Erziehung
Es gibt einen neuen Flyer! Außerdem stehen dem Fachkräfte-Pool neue Sprachen zur Verfügung: unter anderem Chinesisch, Vietnamesisch, Mongolisch und Japanisch.

Informationen zu unseren Veranstaltungen und Fortbildungen im Februar und März:
Aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation finden im Februar und März alle Veranstaltungen digital statt.

Am 24.02.2021 von 15:00-18:00 Uhr mit Dr. Diana Ramos Dehn: „Wie erkenne ich, dass ein geflüchtetes Kind traumatisiert ist?“ Für Fachkräfte in der Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen.

Am 02.03.2021 von 10:00-13:00 Uhr mit Veronika Wolf: Sprachmittlung für LGBTQI-Klient*innen. Angebot für Sprachmittler*innen in der Beratung und Therapie von Geflüchteten.

Am 10.03.2021 von 10:00-14:30 Uhr mit Dr. hc. Esther Mujawayo-Keiner & Sabine Rauch: Beziehungsaufbau einmal anders. Warum brauchen Fachkräfte in der Arbeit mit Familien andere Formen der Beziehungsgestaltung und Eingangskommunikation? Für Fachkräfte in der Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen.

Am 17.03.2021 von 15:00-18:00 Uhr mit Veronika Wolf: Wenn die Seele Schaden nimmt – Anamnese und Diagnostik psychischer Folterfolgen. Fortbildung für Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen. Zertifizierung bei der PTK NRW ist beantragt.

Am 18.03.2021 von 10:00-14:00 Uhr mit Dr. Donia Amirpur: Pädagogischer Alltag in der Migrationsgesellschaft – wieviel Unterschiedlichkeit darf sein?

Die Teilnahme ist kostenlos. Bitte melden Sie sich verbindlich an, damit wir planen können. Die Anmeldung koordiniert in diesem Jahr unsere Kollegin Martina Höttges über die Mailadresse fortbildungen [at] psz-duesseldorf [dot] de.
Über die Veranstaltungen im April werden wir Sie in diesem Mailing Mitte März informieren.

Den Veranstaltungskalender für das Jahr 2021 finden Sie auch online auf unserer Webseite. Schauen Sie doch gerne mal vorbei!

Wir freuen uns, Sie bei der einen oder anderen Veranstaltung zu sehen! Bleiben Sie gesund!

Herzliche Grüße aus dem PSZ Düsseldorf